Assessing the feasibility of (semi-)automated pragmatic annotation in ELF domains
Laura Centonze · 2019
Ziel der vorliegenden Dissertation ist es zu untersuchen, inwieweit (semi-)automatisierte Annotationssysteme fur die Analyse des gesprochenen Diskurses im Englischen als Lingua Franca (ELF) in Migrationsbegegnungen als zuverlassig fur die pragmatische Annotation von Sprechakten betrachtet werden konnen. Die dahinterstehenden Grunde sind zweifach: zum einen war die Studie durch die Notwendigkeit motiviert, einen pragmatisch annotierten Korpus von Sprachinteraktionen bereitzustellen, der von interkulturellen Mediatoren zur Analyse und fur die eigene berufliche Ausbildung verwendet werden kann. Zum anderen ist die vorliegende Arbeit aus personlichem Interesse am Einsatz eines (semi-)automatisierten Forschungsinstrument entstanden, welches zur Erforschung pragmatischer Aspekte des Diskurses eingesetzt werden kann. Ob automatisierte Software-Tools tatsachlich pragmatische Anderungen erfassen konnen, stellt eine im Laufe der gesamten Studie wiederkehrende Frage und, wie zu sehen wird, den Kern der Analyse des ELF-Austausches bei Migrationsbegegnungen dar. Zu unserer Analyse werden wir einen korpus-pragmatischen Ansatz (Aijmer und Ruhlemann 2015) fur die Datensammlung anwenden und um dieses Ziel zu erreichen, werden wir ein vorhandenes Softwaretool, namlich DART (The Dialogue Annotation and Research Tool, Version 2.0 Weisser 2017) fur die (semi-)automatisierte pragmatische Annotation von Sprechakten und deren Machbarkeit im Hinblick auf den erarbeiteten Studienkorpus verwenden. Die vorliegende Studie zeigt Folgendes: zunachst weist die automatisierte pragmatische Annotation von Sprechakten eine Reihe von Einschrankungen in ihrer Anwendbarkeit fur eine pragmatische Analyse auf. Das Tagset ist im DART-Schema nicht flexibel genug, sodass der Diskurs nicht als Ganzes betrachtet wird, sondern als dekontextualisierter String ohne Verbindung zu vorherigen oder nachfolgenden Abbiegungen; daruber hinaus scheint die Schwache des Softwaretools nicht nur in den Fallen offensichtlich zu sein, in denen falsche Schreibweisen oder ungrammatische Satze vorkommen, deren pragmatische Funktion DART nicht vorhersagt. Eine weitere Schwachstelle konnte, namlich, dazu in den in den Fallen bewiesen werden, in denen ELF-Sprecher durch eine steigende Intonation am Ende des Zuges des transkribierten mundlichen Interviews keine Frage signalisieren; wohingegen das Software-Tool eine Frage als Aussage in der transkribierten Datei betrachtet. Obwohl die Studie selbst sicherlich keine Strategie fur die automatisierte Annotation pragmatischer Funktionen fur Sprechakte bietet, kann sie dennoch einen Beitrag zur laufenden Debatte uber die Ermittlung und Kategorisierung von Sprechakten und uber die Herausforderungen einer Verknupfung von Korpora- und softwaregestutzten Methoden fur die Analyse von Sprechakten gesprochener Daten leisten.