Theoretical Aspects of the Mechanization of Literature Searching
Yehoshua Bar‐Hillel · 1962
In diesem Beitrag werden Fragen des Bibliotheksproblems, insbesondere der Mechanisierung des Literaturaufsuchens einer theoretischen Betrachtung unterzogen. Zunächst unterscheidet der Verfasser grundsätzlich zwischen daten- und literaturangabenliefernden Informationssystemen. Literaturangab en oder Referenzen lassen sich in (zumindest) vier Stufen bereitstellen, nämlich in Form von Zugangszahlen, Titeln, Referaten und schließlich in Form von Kopien der als zur Anfrage relevant empfohlenen Dokumente. Das Problem der unerwünschten Referenzen („false drops”) fällt weniger schwer ins Gewicht für Bibliothekssysteme, welche die Literaturangaben stufenweise bereitstellen. Das Umgehen des eigentlichen Problems der Bereitstellung von Referenzen durch direktes Durchsuchen der gesamten Kollektion der verschlüsselt vorliegenden Dokumente mit Hilfe elektronischer Datenverarbeitungsmaschinen lehnt der Verfasser ab. Das automatische Verschlüsseln und „Auto-Abstrahieren” (Herstellen von Literaturauszügen) werden einer strengen Kritik unterzogen und entweder als zu unbefriedigenden Ergebnissen führend oder als unökonomisch befunden. Das Mechanisieren der ersten und wiederholten Formulierung der Anfrage in Form einer Serie von Sachbegriffen wird als undurchführbar erachtet. Daraus läßt sich folgern, daß nur jene Stufen innerhalb des Referenzenbereitstellungsprozesses von digitalen Maschinen ausgeführt werden können, die der Formulierung der Anfrage (z. B. als Boolesche Funktion formulierte Sachbegriffe) zeitlich folgen, jedoch noch vor dem Ausdrucken der Referenzenliste liegen. Alle bisherigen Ansätze zur Erstellung einer allgemeinen, mathematischen Theorie zur Bewältigung des Bibliotheksproblems müssen als verfehlt betrachtet werden. Als grundlegende Vorbedingung für eine solche Theorie müßte man zunächst adäquate Maße definieren für den thematischen Abstand und für die Relevanz zwischen Dokument und Thema in Form bestimmter Funktionen von Indextermserien einerseits und Sachbegriffserien andererseits. Es werden die inhärenten Schwierigkeiten herausgestellt, die sich der Erreichung dieses Zieles entgegenstellen. Der Verfasser zeigt auch, daß das in Mode gekommene Sichberufen auf Verbandstheorie, symbolische Logik, Semantik und Thesauri keinen substantiellen Hintergrund hat. Es wird dann vorgeschlagen, Bibliothekssysteme zu untersuchen, in denen die elektronische Datenverarbeitungsmaschine lediglich bei der Ausführung regelrechter Routine- und (für den Menschen) zeitraubender Operationen eine Rolle spielt, wobei die Maschine ständig der Kontrolle durch den Benutzer unterstellt bleibt.