Estimation of Distribution Algorithms and Minimum Relative Entropy

Robin Höns · bonndoc (University of Bonn) · 2006

Im Bereich der Optimierung mit probabilistischen Modellen des Suchraums werden einige Fortschritte identifiziert und herausgearbeitet, in denen die Prinzipien der maximalen Entropie und der minimalen relativen Entropie aus der Informationstheorie verwendet werden, um eine Wahrscheinlichkeitsverteilung zu schätzen. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung im Suchraum wird durch ein graphisches Modell beschrieben (Faktorisierung, Bayessches Netz oder Verbindungsbaum). Ein Estimation of Distribution Algorithm (EDA) ist ein evolutionärer Optimierungsalgorithmus, der mit Hilfe eines graphischen Modells eine Population im Suchraum erzeugt und dann anhand der selektierten Individuen dieser Population ein neues graphisches Modell erzeugt. - Bislang baut der Factorized Distribution Algorithm (FDA) eine Faktorisierung oder ein Bayessches Netz aus einer gegebenen additiven Struktur der Zielfunktion durch einen Greedy-Algorithmus, der nur einen Teil der Verbindungen zwischen den Variablen berücksichtigt. Wichtige verbindungen können durch diese Methode verloren gehen. Diese Arbeit stellt einen heuristischen Subfunktionenverschmelzungsalgorithmus vor, der in der Lage ist, alle Abhängigkeiten zwischen den Variablen zu berücksichtigen (wofern die Randverteilungen des Modells nicht zu groß werden). Auf einem 2D-Gitter erzeugt dieser Algorithmus eine pentavariate Faktorisierung, die es ermöglicht, das Deceptive-Grid-Testproblem mit viel kleinerer Populationsgröße zu lösen als mit der konventionellen Faktorisierung. Insbesondere für kleine Populationsgrößen kann das Ergebnis noch verbessert werden, wenn große Randverteilungen aus kleineren vermittels des Prinzips der maximalen Entropie und des Iterative Proportional Fitting- Algorithmus berechnet werden. - Das zweite Thema ist die Verallgemeinerung graphischer Modelle zu zirkulären Strukturen. Mit der Bethe-Kikuchi-Approximation kann das zirkuläre graphische Modell (der Regionen-Graph) die Boltzmannverteilung einer Zielfunktion durch einen generalisierten Belief Propagation-Algorithmus (GBP) lernen. Er minimiert die freie Energie, eine Größe aus der statistischen Physik, die äquivalent zur relativen Entropie zur Boltzmannverteilung ist. Frühere Versuche, die Kikuchi-Approximation mit EDA zu verbinden, benutzen einen aufwendigen Gibbs-Sampling-Algorithmus, um eine Population aus dem zirkulären Wahrscheinlichkeitsmodell zu erzeugen. In dieser Arbeit wird eine Verbindung mit Faktorisierungen vorgestellt, die effizienteres Sampling erlaubt. Die freie Energie wird um die inverse Temperatur ß erweitert. Der oben erwähnte Algorithmus zur Erzeugung einer Faktorisierung kann auch hier angewendet werden. Die Dynamik von GBP wird untersucht und auf Ising-Modelle angewendet. Kleine Probleme (7 x 7) werden ohne Schwierigkeit gelöst. Größere Probleme (10 x 10 und 15 x 15) konvergieren mit großem ß nicht mehr zum wahren Optimum, aber durch Sampling von der Faktorisierung kann das Optimum bei einer Samplegröße von 1000 bis 10000, je nach Probleminstanz, gefunden werden. Wenn GBP nicht konvergiert, kann es durch eine Konkav-Konvex-Prozedur ersetzt werden, die Konvergenz garantiert. - Drittens kann, wenn für die Zielfunktion keine Struktur gegeben ist, ein Bayessches Netz gelernt werden, um die Abhängigkeiten in der Population zu erfassen. Die relative Entropie zwischen der Populationsverteilung und der Verteilung durch das Bayessche Netz ist äquivalent zur Log-Likelihood des Modells. Diese wurde erweitert zum BIC/MDL-Kriterium, das Überanpassung lindert, indem komplizierte Strukturen bestraft werden. Eine vorangegangene informationstheoretische Analyse von BIC/MDL im EDA-Bereich wird erweitert, und empirisch wird belegt, daß die Methode die korrekte Struktur einer Zielfunktion bei genügend großer Population lernen kann. - Schließlich wird vorgestellt, wie durch eine lokale Suchheuristik der Suchraum von EDA reduziert werden kann. Der Kernighan-Lin-Hillclimber, der ursprünglich für das Problem des Handlungsreisenden und Graphen-Bipartitionierung konzipiert ist, wird für beliebige binäre Probleme erweitert. Er kann allein angewandt werden, als iteratives 1+1-Suchverfahren, oder in Kombination mit EDA. Er löst das MAXSAT-Problem in ähnlicher Größenordnung wie der spezialisierte Hillclimber Walksat. Eine Analyse der lokalen Optima von Kernighan-Lin zeigt, daß die Kombination mit EDA vorteilhaft ist. Die Arbeit zeigt, wie evolutionäre Optimierung verbessert werden kann, indem interdisziplinäre Ergebnisse aus Informationstheorie, Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung und statistischer Physik eingebracht werden. Die Prinzipien der Informationstheorie zur Schätzung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen lassen sich in vielen Bereichen anwenden. EDAs sind eine gute Anwendung, denn eine verbesserte Schätzung beeinflußt direkt den Optimierungserfolg.

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